Uwe Wolfs

Ein Porträt

Uwe Wolfs ist Fachbereichsleiter für den Bereich „Leben im Alter“ der Theodor Fliedner Stiftung und zugleich Leiter des „Dorfes“, einer Altenpflegeeinrichtung in Mülheim, die Anfang der 1990er Jahre nach völlig neuen Grundsätzen erbaut worden ist. Was dabei entstand, ist ein Dorf, in dem manch einer gerne Urlaub machen würde und die meisten, die hier leben, ihren Lebensabend verbringen. Betritt man dieses Dorf, begegnen einem viele ältere Menschen, die meisten noch rüstig zu Fuß, manche an Gehhilfen, manche in Rollstühlen, und dazwischen wie selbstverständlich immer wieder spielende Kinder.

Wolfs ist ein Altenpfleger mit Herz und Verstand und hat diesen Ratgeber geschrieben. 1961 geboren, war er noch während seiner Schulzeit in der Jugendarbeit aktiv. Zuerst absolvierte er eine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten. Nachdem er sich für den Zivildienst entschieden hatte, führte ihn der Weg, eher unfreiwillig, in die Arbeit in einem Alten- und Pflegeheim.

„Dort“, so sagt er, „lernte ich von der ,Pieke’ auf, wie man pflegt und betreut. Viele der älteren Damen auf der Frauenstation waren sehr desorientiert. Einige konnten jedoch noch schöne Anekdoten aus ihrer Kindheit erzählen – zum Beispiel vom Landleben in Ostpreußen der Jahrhundertwende –, und mir wurde bereits in diesen ersten Wochen deutlich, wie wichtig für die Menschen die Auseinandersetzung mit ihrer Biografie ist und wie viel Wertvolles darin steckt.“

Damit war für ihn klar, dass er nach seinem Zivildienst weiter in der Altenpflege arbeiten wollte. Nach seiner Ausbildung war er zunächst mehrere Jahre als Altenpfleger in der Alten- arbeit und in der Behindertenarbeit tätig. Für sein Menschenbild waren die Erfahrungen in der Altenarbeit teilweise ernüchternd, gaben ihm aber auch den Anstoß, darüber nachzudenken, was man verändern könnte, um menschenwürdigere Verhältnisse zu schaffen.

„Hier hatte ich in der Altenarbeit erlebt, dass auf großen Stationen teilweise bis zu vierzig Menschen zusammenlebten. Die meisten waren überwiegend in Mehrbettzimmern zu dritt oder zu viert untergebracht, ohne Möglichkeit, ihre Privat- und Intimsphäre zu schützen. In der Arbeit mit Menschen mit Behinderung lernte ich erstmals die Arbeit in kleinen Gruppen mit familienähnlichen Strukturen und Tagesabläufen kennen. Während der zwei Jahre meiner Tätigkeit in der Behindertenarbeit dachte ich, dass ähnliche Strukturen doch auch in der Altenarbeit möglich sein können.“

Als in der Stiftung, für die er tätig ist, die Überlegungen für eine grundlegende Neukonzeption in der Altenarbeit reiften und zum Bau des Dorfes führten, in dem zukünftig ältere Menschen in verschiedenen Wohnformen zusammen mit jungen Familien leben sollten, erfüllte sich für ihn ein lang gehegter Wunsch.

„Die Chance, die Erfahrungen aus der Wohngruppenarbeit mit den behinderten Menschen in die nun neu zu entwickelnde Altenarbeit einfließen zu lassen, war groß. Die Häuser waren ebenerdig angelegt und es waren kleinere Wohneinheiten mit familiärem Charakter entstanden. Die Privatsphäre, die Biografie und die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Menschen konnten nun besser berücksichtigt werden. Auch war es nun möglich, das Zusammenleben und den Alltag so zu gestalten, dass sie sich nicht mehr von der Normalität außerhalb einer Alteneinrichtung unterschieden.“

Natürlich brauchte es für derartige Neuerungen in der Altenarbeit auch entsprechend ausgebildete Mitarbeiter, die in der Lage waren, die Vorstellungen in die Praxis umzusetzen. Nachdem Wolfs bereits zwei Jahre als Honorardozent in der Altenpflegeausbildung tätig gewesen war, absolvierte er deshalb eine Weiterbildung zum Lehrer für Pflegeberufe und arbeitete zehn Jahre, davon überwiegend als Schulleiter, in der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich der Pflege und beratend in der Organisations- und Qualitätsentwicklung der Altenpflege.

„Wichtig war mir, den Auszubildenden neben fundiertem Basiswissen eines Pflegeberufes auch neue Ansätze der Altenarbeit zu vermitteln. Dazu gehörte eben auch, Kenntnisse zu vermitteln über die Aspekte des Wohnens und Zusammenlebens und darüber, wie das in der Praxis umgesetzt werden kann.“

Seit 2003 leitet Wolfs nun den Altenbereich dieses Dorfes mit angeschlossenem betreuten Wohnen und einem Kurzzeitpflegeangebot, ist aber darüber hinaus auch als Fachdezernent für die Altenarbeit beim gleichen Träger aktiv. In dieser Funktion hat er eine weitere Einrichtung speziell für Menschen mit Demenz konzeptioniert. Daneben leitete und begleitete er zwei Beratungs- und Begegnungseinrichtungen in der offenen Altenarbeit. Heute ist er zusätzlich mit der Leitung eines ambulanten Pflegedienstes betraut. Mit seiner Tätigkeit geht die ständige Überprüfung und Anpassung der Arbeit in den zahlreichen Einrichtungen des Trägers an die sich verändernden gesellschaftlichen und rechtlichen Bedingungen im Alten- und Pflegesektor. Dass dies viel Kraft und Aufmerksamkeit neben der täglichen Arbeit verlangt, ergibt sich schon aus dem Umstand, dass, wie Wolfs sagt,

„die Strukturen der ambulanten und stationären Altenarbeit in Deutschland sich mittlerweile deutlich weiterentwickelt haben. So haben sich mit der Einführung der Pflegeversicherung 1995 neben der neuen Finanzierung der Pflege auch die fachlichen Anforderungen an die Arbeit in den Einrichtungen verändert. Menschen, die heute beispielsweise in eine vollstationäre Altenhilfeeinrichtung einziehen, sind zunehmend älter, leiden an mehreren Grunderkrankungen gleichzeitig und sind somit pflegebedürftiger als noch vor wenigen Jahren. Hier greift das Ziel ambulant vor stationär der Pflegeversicherung. Trotzdem haben sich die Lebensbedingungen, etwa in der Wohnraum- und Alltagsgestaltung, in denselben Einrichtungen weiter zum Positiven entwickelt, zum Schutz der Privatheit, der Individualität, der Selbstbestimmung. Heute spricht man bereits von der vierten Generation des ,Altenheimbaus’, dem Typ der Hausgemeinschaften, die sich an familienähnlichen Strukturen orientieren.“

Doch was treibt Uwe Wolfs dazu, neben all seiner vielen anderen Arbeit auch noch einen Ratgeber zu schreiben? Die Antwort: Es ist die große Ratlosigkeit und Verunsicherung der Menschen, nicht nur der Betroffenen sondern auch deren Angehörigen, die ihm in seiner täglichen Praxis begegnet. Denn im Zuge der Erweiterung und Verbesserung des Leistungsangebots im Bereich der Altenbetreuung und der Pflege wuchs auch dessen Unübersichtlichkeit.

„Viele Menschen haben häufig keine Kenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen des Systems der Pflege. Auch die nach der Pflegereform 2008 veränderten und neuen Leistungen, etwa der Verbesserung in der Betreuung von Menschen mit Demenz oder der Beratungsleistungen, sind vielfach noch unbekannt.

Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben, und ich habe es so geschrieben, dass die Menschen Vertrauen fassen in die Chancen, die sich ihnen bei einem befürchteten oder bereits eingetretenen Hilfebedarf heutzutage eröffnen und sie selbstbestimmt und in Würde ihren Weg finden lassen.“