Giora Feidman

Giora Feidman, der über die Aufführung der „Psalmen aus Qumran“ sagt, dies sei sein schönster Auftritt bei einer religiösen Veranstaltung gewesen, den er jemals erlebt habe.

GIORA FEIDMAN zählt zu den großen Klarinetten-Virtuosen unserer Zeit und gilt als einer der wichtigsten modernen jüdischen Musiker, dessen Bedeutung weit über das zum Markenzeichen gewordene „Klezmer“-Prädikat hinausgeht. Er ist heute der wesentlichste Interpret und Protagonist einer spartenübergreifenden zeitgenössischen, nicht nur jüdischen Musik.

Hörprobe

Feidman wurde 1936 in Buenos Aires als Kind jüdischer Einwanderer aus Bessarabien geboren. Vater, Großvater und Urgroßvater waren Klezmorim, Nachfahren und musikalische Erben jener Stetl-Musikanten Osteuropas, die von Ort zu Ort zogen, sangen und spielten, wo immer sich ein Anlass fand und man sie bezahlen konnte, und die aus den Traditionen ihrer jeweiligen Gastgeber eine eigenständige, tatsächlich multikulturelle Kunstform schufen: die jiddische Musik – Klezmer.
Nach einer Lehrzeit bei Vater und Großvater besucht Feidman das Konservatorium von Buenos Aires. Er wird Meisterschüler des großen klassischen Klarinettisten Juan Daniel Skozdopole und gibt als 18jähriger sein Debüt im Orchester des berühmten Teatro Colon. Drei Jahre später folgt er der Einladung des Israel Philharmonic Orchestra nach Tel Aviv und wird dessen jüngster Solobläser.
In den fast zwei Jahrzehnten, die Feidman als Solist und Lehrer in Tel Aviv bleibt, entwickelt sich die Grundlage seines heutigen Verständnisses von Musik als einer Sprache der innersten Seele, als universelles Mittel der Kommunikation zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mensch und Gott.
Anfang der siebziger Jahre verlässt Feidman die Philharmoniker und beginnt, das schon fast untergegangene musikalische und spirituelle Erbe seines Volkes aus dem Dunkel der Vergangenheit zu holen; damit initiiert er die weltweite Renaissance des Klezmer – inzwischen ein selbstverständlicher Bestandteil der Weltmusik.
In Deutschland, wo der außergewöhnliche Erfolg des Klezmer 1984 mit Feidmans Auftritt in Peter Zadeks inzwischen legendärer „Ghetto“-Inszenierung beginnt, werden seine Konzerte über das rein musikalische Erlebnis hinaus zum Medium eines neuen Dialogs zwischen Juden und Nicht-Juden.
Zu den eigens für Feidman geschriebenen Filmmusiken gehören „Enemies – A Love Story“ und John William’s mit dem Oscar ausgezeichnete Musik zu Steven Spielbergs „Schindlers Liste“, die er zusammen mit Itzhak Perlman einspielte. Der wunderbare Film „Jenseits der Stille“ verdankt seinen überwältigenden Außenseitererfolg nicht zuletzt auch einem Auftritt Feidmans. Auch Josef Vilsmaiers Film über die „Comedian Harmonists“ (1997) bezieht seine Musik ein ebenso wie zwei neue französische Filme.
Feidmans Musikverständnis ist ein wesentlich spirituelles und geht von der Überzeugung aus, dass Musik ein Mittel der Verständigung jenseits aller Grenzen ist, seien sie politisch oder kulturell – und ebenso eine Möglichkeit wie eine Aufforderung, in Frieden miteinander zu leben.