Kommt das Heil aus dem Osten?

Am 1. Mai trat die neue Arbeitnehmerfreizügigkeit für die östlichen EU-Länder in Kraft. Damit verbunden war die Hoffnung der Politik, Tausende von „pflegewilligen“ Arbeitskräften aus Ländern wie Polen, Tschechien und Ungarn anwerben zu können, um dem wachsenden Pflegenotstand in Deutschland entgegenzuwirken. Liegt die Rettung unserer Pflege in der Hand unserer östlichen Nachbarn? Uwe Wolfs, der Autor unseres Ratgebers "Pflegebedürftig" gibt darauf Antwort.

Ein wichtiger Schritt, aber mit welchen Folgen?
Bisher waren viele Arbeitskräfte aus den östlichen EU-Ländern zumeist illegal in deutschen Haushalten tätig. Mit der nun in Kraft getretenen Arbeitnehmerfreizügigkeit rechnet man mit einer Entlastung für die pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen, die jetzt die Möglichkeit haben, diese Arbeitskräfte legal im eigenen Haushalt zu beschäftigen. Dort sollen sie die dringend benötigte Hilfe im Bereich der Grundpflege, der Betreuung und der hauswirtschaftlichen Erfordernisse leisten. Angesichts des zunehmenden Arbeitskräftemangels in den kommenden Jahren ein wichtiger Schritt, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Gesellschaft rasant altert und die Gefahr von Pflegebedürftigkeit zunimmt.

 

Was aber bedeutet das für die Pflegeszene und wie sieht derzeit die Situation aus?

Mit zunehmendem Alter nehmen die Mehrfacherkrankungen zu und steigen die damit verbundenen Anforderungen an Pflege- und Behandlungsmaßnahmen. Für diese Arbeit werden fachlich gut ausgebildete Pflegekräfte benötigt, die außerdem in der Lage sind, den wachsenden Anforderungen in der Zusammenarbeit mit Ärzten, Krankenhäusern, Pflegeinstitutionen und anderen Dienstleistern im Gesundheitswesen gerecht zu werden. Dies ist weder mit Langzeitarbeitslosen noch mit Prostituierten (um hier nur einige politische Ideen der letzten Jahre zu nennen), noch ausschließlich mit ungelernten Arbeitskräften aus den östlichen Nachbarländern zu bewerkstelligen.

Inzwischen treten jedoch immer mehr die eklatanten Versäumnisse der vergangenen Jahre zu Tage. Bereits heute fehlen zehntausende Pflegefachkräfte in der ambulanten Pflege, in der stationären Altenpflege und in den Krankenhäusern. Doch anstatt die seitens der Politik immer wieder formulierten Absichten nach einer Verbesserung der Ausbildungssituation in konkrete Maßnahmen umzusetzen, hat man die Ausbildungsgänge finanziell ausgedörrt, Umschulungsmaßnahmen teilfinanziert oder  gar gestrichen und so für den Verlust an Ausbildungsplätzen und die Schließung ganzer Schulen gesorgt. Auch der Zusammenführung der Alten- und Krankenpflegeausbildung ist man kaum einen Schritt näher gekommen, obwohl Modellprojekte bereits in den neunziger Jahren erfolgreich und zukunftsweisend durchgeführt wurden.

 

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„Hätte ich zu diesem Zeitpunkt das Buch schon besessen, hätte mir das viel Zeit und Ärger gespart.“

Dieser Satz stammt von Waltraud Ries, die uns dies nach der Lektüre unseres Ratgebers «Pflegebedürftig» geschrieben hat (siehe „Aktuelles“). In ihrer Familie war völlig unerwartet ein Pflegefall aufgetreten, der selbst sie als gelernte Journalistin zunächt völlig ratlos machte. Erst durch mühsames Recherchieren im Internet gelang es ihr, die passende Lösung zu finden, wie sie ihrer Angehörigen helfen konnte.

So wie ihr wird es voraussichtlich in den nächsten Jahren immer mehr Menschen ergehen. Denn wie das Statistische Bundesamt in seiner jüngsten Modellrechnung zeigt, werden im Jahr 2030 voraussichtlich 50 Prozent mehr Menschen als 2007 auf Pflege angewiesen sein. Konkret heißt das, dass insgesamt 3,4 Millionen Menschen Hilfe und Betreuung benötigen. Rechnet man diese Entwicklung auf das Jahr 2050 hoch, ergibt sich sogar eine Verdoppelung der Pflegebedürftigen auf unvorstellbare 4,5 Millionen Menschen.

Ein großer Teil dieser Menschen wird – wie die eingangs zitierte Leserin – oft unerwartet von dieser Situation betroffen, wie etwa infolge eines Schlaganfalls oder Unfalls. In solchen Fällen herrscht oft Ratlosigkeit und Verzweiflung, und es sind zumeist die Angehörigen, die nach Hilfe suchen und auf rasche Lösungen angewiesen sind. An wen soll man sich wenden? Wo findet man umfassend und erschöpfend Rat und Antworten auf die vielen Fragen, die sich im Falle einer plötzlich eingetretenen Pflegebedürftigkeit ergeben? Und viele wissen oftmals noch gar nicht, welche Fragen sie in der jeweiligen Situation überhaupt stellen sollen.

 

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„Herrgott noch mal, Sie lassen die Kinder aus Kochbüchern vorlesen? Rezepte singen? Wollen Sie uns veräppeln?“

Vermutlich wäre Frank McCourt gar nicht selbst darauf gekommen, wenn sein Schüler Kenny DiFalco nicht eines Tages von hinten gerufen hätte, ob er Marzipan möge. Selbst gemacht. Marzipan? Kenne ich nicht. „Probieren Sie’s mal, sagte er. Es war köstlich. Ein Chor von Stimmen verlangte nun ebenfalls nach Marzipan, aber Kenny sagte, er habe keins mehr. Morgen werde er sechsunddreißig Stück Marzipan mitbringen, natürlich selbst gemacht ...“

Frank McCourt: Tag und Nacht und auch im Sommer. Erschienen im btb-Verlag und nachdrücklich zur Lektüre empfohlen!

Was dann geschah, ist so unglaublich, dass man sich wirklich fragt: Will der uns veräppeln?

 

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