Vollständige Kolumnen

Kommt das Heil aus dem Osten?

Teil 2: Ein Qualitätsgespenst geht um
Die Situation der im Beruf stehenden Pflegekräfte ist heute nahezu katastrophal. Sie erleben eine immer größere Arbeitsverdichtung, und die knappen Zeitressourcen müssen für zum Teil unnötige Verwaltungs- und Dokumentationsarbeiten verwendet werden. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen von Politik und Kostenträgern steigen die bürokratischen Anforderungen in schneller Folge, mit denen weder die Einrichtungen noch die dort tätigen Mitarbeitenden Schritt halten können.

Die Qualitäts- und Prüfanforderungen aus der sozialen Pflegeversicherung und den   jeweiligen Landesgesetzen haben zu einem stetig wachsenden Berg an Konzepten, Standardisierungen und Dokumentationen geführt, die wichtige Arbeitszeit für die eigentliche Arbeit am Menschen abziehen. Doch genau für diese Arbeit sind die Pflegefachkräfte einst angetreten. Nun aber müssen sie sich immer mehr entscheiden zwischen einer Tätigkeit getreu dem Motto „wer schreibt, der bleibt“ oder einer menschlich zugewandten und fachlich guten und engagierten Betreuung.

Stattdessen wird in den unnötigen jährlichen Doppelprüfungen durch MDK und Aufsichtsbehörden der schriftlichen Dokumentation ein immer höherer Stellenwert beigemessen. Um diese Prüfungen gewährleisten zu können, haben diese Prüfinstanzen Hunderte gut ausgebildeter Pflegefachkräfte ihrem eigentlichen Arbeitsfeld entzogen. Hinzukommt ein durch die physische und psychische Belastung immer größer werdender Krankheitsstand und ein damit verbundener Ausfall von Pflegekräften, was vielfach zu einer Unterbesetzung der Arbeitsschichten führt. Außerdem erleben die Pflegekräfte im Zusammenhang mit der Aufdeckung von Pflegemissständen in den Medien eine zunehmende „Kriminalisierung“ ihrer Tätigkeit, da für die Missstände meist nicht das mangelhafte System, sondern die Einrichtungen und deren Mitarbeiter verantwortlich gemacht werden. Dies, verbunden mit den ohnehin schwierigen Arbeitsbedingungen, hat zur Folge, dass immer mehr Pflegekräfte, vor allem jüngere, sich nach anderen Jobs umsehen.

So darf man sich nicht wundern, dass es in Deutschland an Arbeitskräften für den Bereich der Pflege fehlt. Zweifellos kann dieses Defizit in Zukunft zumindest zahlenmäßig gut durch Arbeitskräfte aus den östlichen Nachbarländern ausgeglichen werden. Dies gilt vor allem für die Privathaushalte, die dadurch eine deutliche Entlastung in ihren Pflegeanstrengungen erfahren. Doch wie kann deren Betreuung und Pflege überprüft werden? Können sich nur finanziell besser gestellte Haushalte den Arbeitnehmer aus dem Osten leisten, der dann ja auch nach Tarif bezahlt wird? Oder entsteht hier wieder eine geduldete Grauzone, in der Vieles möglich ist? Letzteres würde die zuvor beschriebene überbordende bzw. fehlgeleitete Qualitätsentwicklung in den professionellen Bereichen nur noch stärker konterkarieren.

Auf jeden Fall wird all das mit zusätzlichen Kosten verbunden sein. Wie aber soll das funktionieren, wenn die Politik jede noch so dringend notwendige Reform der Pflege möglichst zum Nulltarif haben will? Um diese Kosten zu schultern, bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung. Dabei wird es vor allem darum gehen, umgehend die notwendigen Ausbildungskapazitäten zu erhöhen und deren Finanzierung dauerhaft zu sichern. Des weiteren müssen die Stellenschlüssel erhöht bzw. die Finanzierung der ambulanten und stationären Einrichtungen nach oben angepasst werden, um die Qualität der Arbeit zu verbessern. Will man einem Exodus von Pflegekräften aus diesem Arbeitsfeld vorbeugen, müssen auch die Arbeitsbelastungen durch unnötige Bürokratie deutlich reduziert werden. Und schließlich müssen auch die Pflegeleistungen in den Privathaushalten besser finanziert und teilstationäre Angebote weiter ausgebaut werden.

© Uwe Wolfs

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„Hätte ich zu diesem Zeitpunkt das Buch schon besessen, hätte mir das viel Zeit und Ärger gespart.“

So zeigt sich in der Praxis immer wieder, wie wichtig es wäre, sich schon frühzeitig, also noch vor dem Eintritt der Pflegebedürftigkeit, damit zu beschäftigen und sich auf den Eventualfall vorzubereiten. Wenn es ums eigene Auto geht, haben die Wenigsten damit ein Problem. Die meisten unter den heute 60-Jährigen kennen die Ratgeber-Reihe „Jetzt helfe ich mir selbst“ mit ihrer Gesamtauflage von über 10 Millionen Bücher oder „So wird’s gemacht“ (über 5 Millionen).

Im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit oder der von Angehörigen verhält es sich aber nahezu umgekehrt. Hier scheint es, als verdrängten die meisten Menschen in einer Art Gesundheitswahn, dass Pflegebedürftigkeit und Pflege heute in zunehmendem Maße die Alltagswirklichkeit bestimmen: etwa 9 Prozent der über 60-Jährigen waren 2007 pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung und haben diese in Anspruch genommen. Und ein schätzungsweise ebenso großer Teil der über 60-Jährigen gehört bereits zu denen, die ebenfalls pflegebedürftig sind, jedoch noch nicht von der Pflegeversicherung erfasst sind, weil sie deren Kriterien noch nicht erfüllen.

Deshalb ist es nur allzu verständlich, wenn Pflegeberater und Mitarbeiter von Pflegediensten immer wieder darauf hinweisen, wie wichtig es vor allem für ältere Menschen und deren Angehörige ist, sich frühzeitig über das reiche Angebot und das System der Pflegeversicherung und der Pflege zu informieren, um desto gelassener und in Würde den Eventualitäten des Älterwerdens zu begegnen.

Dies ist es auch, was Uwe Wolfs dazu antrieb, den Ratgeber «Pflegebedürftig» zu schreiben:

„Viele Menschen haben häufig keine Kenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen des Systems der Pflege. Auch die nach der Pflegereform 2008 veränderten und neuen Leistungen, etwa der Verbesserung in der Betreuung von Menschen mit Demenz oder der Beratungsleistungen, sind vielfach noch unbekannt.

Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben, und ich habe es so geschrieben, dass die Menschen Vertrauen fassen in die Chancen, die sich ihnen bei einem befürchteten oder bereits eingetretenen Hilfebedarf heutzutage eröffnen und sie selbstbestimmt und in Würde ihren Weg finden lassen.“

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„Herrgott noch mal, Sie lassen die Kinder aus Kochbüchern vorlesen? Rezepte singen? Wollen Sie uns veräppeln?“

Warum denn nicht, dachte sich Frank McCourt, als er noch nicht der berühmte Autor von „Die Asche meiner Mutter“, sondern als Englischlehrer an der Stuyvesant-High-School in New York täglich mit der Frage konfrontiert war: Wie kann ich mir die Aufmerksamkeit dieser Teenager sichern? Mit Literatur und Lyrik war da wenig zu machen. Wenn, dann gab es nur zwei Themen, auf die diese Schüler abfuhren: auf Sex und Essen. Doch mit Sex war das so eine Sache, das hätte leicht vom Literarisch-Romantischen ins Biologische abgleiten können. Und dann hätte es Ärger mit den Eltern und der Schulleitung gegeben. Aber Essen? …

Wie die Geschichte weitergeht, wollen Sie wissen?
Dann lassen Sie sich überraschen …