Bierbrauen am Orsoyerberg

Bierbrauen am Orsoyerberg

Ein Besuch bei Wilfried und Elfriede Taprogge

Wilfried und Elfriede Taprogge in ihrem schönen Garten

Ein Geheimtipp ist die Adresse schon lange nicht mehr, aber um sie auf Anhieb zu finden, sollte man doch schon einmal dort gewesen sein: Als letztes von drei Reihenhäusern liegt das Haus versteckt hinter einer liebevoll mit Pflanzen geschmückten Mauer. Alles atmet hier freundlich umhegte Stille und fröhliche Beschaulichkeit. Menschen, die gerne mal ein Bier trinken und es sich wohl sein lassen, würde man hier vermuten – aber ganz gewiss keine Privatbrauerei!

Wie leicht man sich täuschen kann, erfährt man, wenn man nach einem herzlichen Empfang durch Wilfried Taprogge und seine Frau Elfriede in den Keller des Hauses geführt wird. Gemütlich ist es hier, wie in einer alten zünftigen Schenke. Die Gläser, die Biertheke, die Bierkrüge – alles blitzt und glänzt, und man spürt die Liebe, mit der hier das Biertrinken kultiviert, wenn nicht sogar zelebriert wird. Denn das Bier, das hier ausgeschenkt und getrunken wird, ist kein gewöhnliches Bier. Dieses Bier wird hier selbst gebraut.

Die erste Hobby-Brauanlage

Angefangen hat alles im Jahre 1996, als der Fördermaschinist des Bergwerks Friedrich Heinrich/Rheinland in den Vorruhestand trat. „Damals brauchte ich eine Beschäftigung. Auf den Geschmack gebracht haben mich dann ein Buch übers Bierbrauen aus der Hobbythek von Jean Pütz und der Besuch einer Bierbörse in Moers“, erzählt Taprogge. Dort zeigte ein Diplom-Braumeister, mit welch einfachen Mitteln es auch für Anfänger möglich ist, ein leckeres und gesundes Bier zu brauen. Zu Hause machte er sich gleich an die Arbeit, besorgte sich die Zutaten – Bierhefe, Hopfen und Gerste – aus einer Privatbrauerei, funktionierte sodann den Einkochtopf seiner Frau zu einem Braukessel um, stellte noch ein 30-Liter-Gefäß als Garbehälter dazu, und – fast – fertig war die Hobbybrauanlage. Die gibt es heute immer noch, allerdings nur zu Demonstrationszwecken, wenn Taprogge seine privaten Bierbrauseminare anbietet.

Hinter dieser Tür verbirgt sich Wilfried Taprogges „Heiligtum“, der große Braukessel.

Der erste Schritt war getan, aber da in Deutschland schließlich alles seine Ordnung haben muss, fehlte noch das grüne Licht vom Hauptzollamt. „Als Hobbybrauer muss man sich registrieren lassen“, erklärt Taprogge. Erst dann könne man loslegen, aber nicht unbegrenzt, denn mehr als 200 Liter Bier im Jahr dürften Hobbybrauer nicht herstellen.

Der Hobby-Bierbrauer Taprogge am Kessel

 

Mit dem Einkochtopf seiner Frau war dieseMenge aber nicht zu schaffen, und so baute sich Taprogge im Laufe der Jahre eine hochprofessionelle Ausrüstung zusammen und richtete sich damit in einem Anbau ein, der heute so etwas wie das „Allerheiligste“ des Hauses ist: „Wilfried’s Bierklause“.

Mittlerweile teilt auch seine Frau die Leidenschaft des Bierbrauens, und so darf das Ehepaar jährlich 400 Liter privat produzieren, alles darüber hinaus muss versteuert werden.

Geschmeckt hat ihm sein Bier – nach den Töchtern Andrea und Bianca in Andrea Hell und Bianca Dunkel benannt – von Anfang an. Wobei es, erklärt der Fachmann, „kein schlechtes Bier gibt“. Es sei eben alles eine Frage des Geschmacks.

Was aber den Geschmack des Bieres selbst betrifft, so sei „entscheidend für ihn die Auswahl und Kombination verschiedener Malzsorten“, erklärt Taprogge. Je nachdem wie lange das Malz, beispielsweise Gersten-, Weizen- oder Roggenmalz, geröstet wurde, ergibt es ein helleres oder dunkleres Bier mit mehr oder weniger stark rauchigem Geschmack. Ebenso der Hopfen: Erhöht man die Menge, wird das Bier etwas bitterer. Die verschiedenen Rezepte hält die Hobbybrauerei Taprogge akribisch in ihren Sudberichten fest.

Ganz wichtig für den Geschmack sei auch das Wasser. Das beeinflusse natürlich das Endprodukt, denn schließlich sei Wasser an sich schon überall unterschiedlich. Deshalb könne man, so Taprogge, „kein Bier nachbrauen, das geht einfach nicht“.

Wer sich in „Wilfried’s Bierklause“ umsieht, merkt schnell, dass aus dem umfunktionierten Einkochtopf und der improvisierten Einrichtung eine professionelle Geschichte geworden ist. Stolz steht der Hobbybrauer neben seinem Braukessel und zeigt auf all die blinkenden Hähne und Kessel, die vielen Leitungen und Schläuche und Temperaturanzeigen … Von der gegenüberliegenden Wand grüßen die Brauereikollegen mit ihren Bierflaschen und Bierdeckeln aus aller Herren Ländern.

Taprogges Bierflaschensammlung

Schon bald nach den ersten Versuchen wurde das Hobby für Wilfried Taprogge zur Berufung. Und begeistert, wie er von seiner Braukunst ist, will er natürlich auch andere für seine Leidenschaft begeistern. Deshalb bietet er seit einigen Jahren private Brauseminare an, bei denen Interessierte innerhalb von sechs Stunden lernen, wie man schnell und einfach selbst Bier brauen kann. Auch wer nur zum Schnuppern vorbeikommen will, ist herzlich willkommen.

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Wohl bekomm’s!

Wer also mehr über das Hobby des Bierbrauens erfahren möchte, kann Wilfried Taprogge unter der Adresse Peldener Straße 1 c, 47495 Rheinberg anschreiben oder unter der Telefonnummer 02844–840 anrufen.