Wie isst man im Potte?

Hannelore Lemme und Gerd Sundermeyer im Gespräch
mit Simon Frisch und Daniel Schürer

FRISCH: Wie ist das eigentlich mit dem Kochen in Hildesheim? Die Stadt selbst liegt ja in einem Topf, im Potte …
LEMME
: Ja, Hildesheim liegt im Potte. Da gibt es aus der Ecke von Holle so eine schöne Geschichte. Da hatte einer einen Topf Zwetschgenmus im Zug mitgenommen und der Zug musste hier irgendwo eine Notbremsung machen und das ganze Zwetschgenmus ist ausgelaufen. Da haben sie gesagt: „Nun liegt das Zwetschgenmus im Potte!“
FRISCH
: Vom Andreasturm aus kann man sehen, dass der Pott nicht wirklich ein Pott ist, ja eher so …
LEMME: … ein bisschen offen.
FRISCH: Aber es ergießt sich ja dann nicht die ganze Hildesheimer Kultur nach Norden.
LEMME: Nein. Nach Norden, die norddeutsche Tiefebene, das ist eine ganz andere Mentalität und nach Süden ist es leicht hügelig und bergig und da sind auch andere Dinge zu Hause.

FRISCH: Was haben wir denn hier traditionell für eine Küche in Hildesheim?
SUNDERMEYER
: Ich kann nur davon sprechen – wir sind ja traditionell bäuerlich, also die Mutter aus Lechstedt, wie auch wir jetzt in Wendhausen – wir haben eigentlich immer von dem gelebt, was der Garten und der Stall hergaben. Bis Anfang der Siebziger gab’s für uns den Kaufmannsladen eigentlich nur, um – ja, Waschmittel zu kaufen und solche Dinge.
LEMME
: Kolonialwarenladen! Also Gewürze, Tabak – solche Dinge kaufte man dort, was in den Kolonien produziert wurde. Deswegen hießen die Kolonialwarenladen.

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SUNDERMEYER
: … oder eingelegte Heringe. Alles andere wurde im Haus gemacht. Sogar das Brot wurde zum Bäcker gebracht, dort in den Ofen geschoben und wieder mit nach Hause genommen. Der Zuckerkuchen wurde dann immer mit geholt für die ganze Woche. Es gab sonst alles, was wir im Garten hatten …, da, wo jetzt unsere große Halle steht, da haben Oma und Mutter damals ihre Möhren gehabt, ihren Sellerie, Kartoffeln und Erdbeeren. Das wurde dann eingeweckt – einfrieren konnte man ja noch nicht –, und dann stand der Keller immer voll. Im Herbst wurden zwei Schweine geschlachtet. Bullen-, also Rindfleisch, kam meist vom Großmarkt. Da wurden immer ganze Hälften geholt und zerlegt. Und das war’s. Davon wurde dann das ganze Jahr über gegessen.

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