Gisela Marzin – Was aßen die Dinslakener im Mittelalter

Gisela Marzin

Freude und Neugier am Umgang mit Akten und Menschen sind für Gisela Marzin der Antrieb für ihre regionalen Forschungen und Aktivitäten. Bald nach dem Abschluss als Diplomarchivarin in Marburg und Düsseldorf 1979 kam sie als Stadtarchivarin nach Dinslaken. Neben dieser Berufstätigkeit ist sie als Autorin zahlreicher Aufsätze und Bücher, Dinslakener Stadtführerin, Mitglied in zahlreichen meist historischen Vereinigungen der Region und als Kuratorin der Rühl-Stiftung in Voerde aktiv. Gisela Marzin lebt mit Mann, zwei erwachsenen Töchtern, Pferd und Katze in Voerde.

von Gisela Marzin

Im Kopiar der Dinslakener Stadtrechte gibt es ein Verzeichnis der auf dem Dinslakener Markt im Jahr 1502 verkauften Waren. Dort findet man ein Warenangebot, das von Lebensmitteln bis hin zu Leder, Harnisch und Tuch reicht. Das Verzeichnis, im Originaltext Register genannt, wurde erstellt, um die „tzise“ festzulegen. Tzisen sind die Abgaben, die dem Bürgermeister, den Schöffen und dem Rat der Stadt zustanden, wenn die Waren auf dem Markt in Dinslaken von auswärtigen Händlern verkauft wurden.
Das ist zwar noch kein Rezept für die Köstlichkeiten, die auf einer Dinslakener Feuerstelle schmurgelten, aber wir haben schon mal die Zutaten, die den mittelalterlichen Dinslakener Bürgern zur Verfügung standen: Bier, Butter, Käse, Salz, Öl, Honig, Heringe und Bücklinge, Weizen und Roggen sowie Fleisch. Die Waren wurden meist als Tonne oder als halbe Tonne, oder als Sack, zum Beispiel beim Salz, angeliefert. Getreide wurde ebenfalls in einem Malter oder in einem Fass gemessen, verkauft wurde es dann in einem Scheffel. Ein Dinslakener Malter waren 10 507 Kubikzoll oder vier Scheffel. Die öffentliche Waage befand sich direkt am Markt. Ein Waagemeister war dafür zuständig, dass recht gewogen, die festgelegten Gebühren eingezogen und dem Bürgermeister weitergeleitet wurden.

Zu dieser Speisenauswahl kam sicherlich das eine oder andere Kraut aus dem eigenen Garten hinzu, außerdem im Sommer und Herbst Zwiebeln, Kohl und Pastinaken sowie an Obst Äpfel, Birnen, Pflaumen und diverse Beerenfrüchte.

Als Fleisch kam, wenn überhaupt, vermutlich Geflügel auf den Tisch. Fisch dagegen gehörte schon aus religiösen Gründen zur Nahrung. Er konnte sowohl auf dem Markt erworben als auch im Rotbach gefangen werden.
Es stimmt nicht, dass die Menschen im Mittelalter ständig am Rande einer Fleischvergiftung schwebten. Die Dinslakener wussten sicherlich im Allgemeinen sehr gut, was bekömmlich war, und hüteten sich nicht nur vor wirklich verdorbenem Fleisch, sondern besonders auch vor rohem Wasser aus dem Rotbach oder den Brunnen der Nachbarschaften. Stattdessen tranken sie gelegentlich Wein, wesentlich häufiger aber das nahrhafte Bier, das sie zum Teil selbst brauten.
Brot, Getreidebrei, Schmalz und auch Wurst zählten zwar zu den alltägliche Speisen, doch Kochbücher standen im Mittelalter nur den Bessergestellten, den Adeligen und reichen Bürgern, zur Verfügung; wie die durchschnittlich ungebildete Bevölkerung in der Stadt und auf dem Land sich ernährte, kann deshalb nur vermutet werden. Überliefert ist im „Buch von guter spise“ ein Rezept für einen Deutschen Brei, auch Blamensier genannt:

„Wilt du machen einen blamensier, wie man sol machen einen blamenser. Man sol nehmen zigenin milich und mache mandels ein halp phunt. einen virdunc ryses sol man stozzen zu mele, und tu daz in die milich kalt, und nim eines hunes brust, die sol man zeisen und sol die hacken dor in. Und ein rein smaltz soll man dor in tun. Und sol ez dor inne sieden. Und gibs im genuc und nime es denne wieder. Und nim gest zzen violn und wirfe den dor in. Und einen vierdunc zuckers tu man, dor in und gebs hin.“

Vergriffen. Nicht mehr lieferbar.

Es handelte sich um eine Mandelmilch aus geriebenen Mandeln und Ziegenmilch, sie wird mit Reismehl, gekochtem und gehacktem Hühnerfleisch, Schmalz, Zucker und Veilchen zusammen gekocht. Dieses oder ein variiertes Rezept für diesen süßen, später auch salzigen, nahrhaften Brei findet sich in verschiedenen mittelalterlichen Rezepten. Mal wird die Mandelmilch mit Wein zubereitet, mal wird der Zucker durch Gewürze und Zwiebeln ersetzt.

 

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