Sachs – Oberdörffer

Michael Sachs (Hg.)

Leben und Sterben des Dr. med. Manfred Oberdörffer (1910–1941)

vergriffen, nicht mehr lieferbar

Mehr Informationen zum Buch

  • Tropenarzt aus Hamburg
  • Lepraforscher in Afrika und Südostasien
  • Geheimagent in Afghanistan…

… für ein Leben, das im 31. Jahr abbrach, sind das erstaunliche, ein abenteuerliches Schicksal andeutende Stichworte. Was verbirgt sich dahinter? Wer war Manfred Oberdörffer?
Hans Graf Lehndorff, bekannt geworden vor allem durch seine Lebenserinnerungen „Menschen, Pferde, weites Land“ und sein „Ostpreußisches Tagebuch“, Arzt wie Oberdörffer und im selben Jahr 1910 geboren, hatte den 20-jährigen Medizinstudenten in München kennen gelernt und einen unvergesslichen Eindruck gewonnen:
„Ich entsinne mich noch genau des Tages … Es war insofern ein besonderer Tag, als wir zum ersten Präparierkurs eingeteilt werden sollten. In Gruppen zu jeweils acht Studenten sollte an der Leiche gearbeitet werden. Und alles schien ängstlich gespannt im Hinblick auf dieses erste bedeutungsvolle Ereignis im Leben eines werdenden Mediziners. An meiner Seite saß ein kompakter Mensch, der sich mit spöttischen Redensarten in unsere gedämpft geführte Unterhaltung einmischte. Ich fand es ganz tröstlich, jemanden neben mir zu haben, dem die bevorstehende Arbeit an der Leiche nichts auszumachen schien. … Dann kam er eine ganze Woche oder noch länger nicht zur Vorlesung, und das nächste Lebenszeichen von ihm war ein Brief, in dem er mich bat, ihn im Krankenhaus zu besuchen. Er lag in einer Münchener Klinik auf der Inneren Abteilung in einem großen Saal, und ich setzte mich an sein Bett. Dann vergaß ich Raum und Zeit und alles um mich herum. Denn zum ersten Mal in meinem Leben ergoß sich das Schicksal eines Menschen wie eine Lawine über mich, und ich kam mir vor wie ein leeres Gefäß, das einem Sturzbach standhalten muß …
Wenige Tage später schickte er mir ein paar Gedichte, die mich erschütterten, weil Form und Tiefe des Empfindens keinen Zweifel daran ließen, daß es sich um einen ebenso genialen wie gefährdeten Menschen handelte.“

Oberdörffer ist überzeugter Nationalsozialist, kann aber, weil er jüdische Vorfahren hat, weder in der NSDAP noch beim Militär Karriere machen. Er wird Tropenarzt, widmet sich der Erforschung der Lepra, bereist die halbe Welt, stellt sich schließlich dem deutschen Geheimdienst in Afghanistan zur Verfügung und wird dort während einer Geheimmission erschossen.

Michael Sachs hat in aufwendigen Recherchen zusammengetragen, was über Lehndorffs Bericht hinaus sich noch an Lebenszeugnissen dieses ungewöhnlichen Arztes erhalten hat. Diese Dokumente sind nicht nur von biographischem, sondern auch von hohem medizin- und zeitgeschichtlichen Interesse.

  • 96 Seiten mit zahlreichen Abb., gebunden, kaschierter Pappband mit Lesebändchen
  • EUR 19,80
  • ISBN 978-3-939973-03-4
  • vergriffen, nicht mehr lieferbar