Bibliothek historischer Denkwürdigkeiten: DER FALL SERVET

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DER FALL SERVET
und die Kontroverse um die ­Freiheit des Glaubens und Gewissens.
Castellio, Calvin und Basel 1552–1556

  • Begleitband zur »Bibliothek historischer Denkwürdigkeiten«
  • Herausgegeben von Wolfgang F. Stammler
  • 456 Seiten mit 44 Abbildungen
  • Leinenband mit Schutzumschlag und zwei Lesebändchen
  • EUR 46,00
  • ISBN 978-3-939973-63-8

 »Als die Genfer den Servet töteten, haben sie nicht eine Lehre verteidigt, sondern einen Menschen getötet.« (Sebastian Castellio)

Der Fall Servet markiert einen Wendepunkt im humanistischen Denken der Neuzeit: Die Verurteilung und Verbrennung des spanischen Humanisten Miguel Servet am 27. Oktober 1553 auf Veranlassung des Genfer Reformators Johannes Calvin löste unter vielen der um ihres Glaubens willen vor der katholischen Inquisition Geflüchteten Empörung und Entsetzen aus. Darf man einen Menschen töten, nur weil er anders denkt, als es die jeweils herrschende Lehre verlangt?

Der Fall Servet wurde damit zum Prüfstein und Menetekel der Reformation. Für Calvin und seine Anhänger galt er als abschreckendes Exempel dafür, wie mit Menschen umzugehen sei, die den Geltungsanspruch einer einmal beschlossenen und für verbindlich erklärten Lehre in Frage stellen. Für Castellio und den kleinen, aber einflussreichen Kreis christlich liberaler Denker in Basel galt er als Exempel eines mörderischen Verrats an den durch Christus gelehrten und vorgelebten Prinzipien christlicher Nächstenliebe, Duldsamkeit und Barmherzigkeit. »Was«, so fragte Castellio, »bliebe dem Satan noch zu tun übrig, sollte Christus all dies befohlen haben?«

Der Fall Servet und die durch ihn ausgelöste Toleranzkontroverse bilden das Zentrum des vorliegenden Bandes von Uwe Plath. Die 1974 erstmals als Basler Dissertation vorgelegte Arbeit gilt bis heute als die maßgebliche Untersuchung der Ereignisse der Jahre 1552–1556, die für die Geschichte der Reformation und des humanistischen Denkens der Neuzeit von grundlegender Bedeutung wurden. Zugleich gibt sie einen tiefen Einblick in die Streitkultur der damaligen Zeit, in der sich ein neues Bild vom Menschen herauszubilden begann: das eines durch Christus zur Freiheit berufenen und seinem Gewissen und seiner Mitwelt gegenüber in Liebe verantwortlichen Menschen.

Das digitale Rezensionsorgan für Bibliothek und
Wissenschaft (IFB) über das Buch:

»Abschließend  kann  das  Buch,  das  auch  zahlreiche  Abbildungen  enthält, wärmstens  empfohlen  werden,  und  zwar  nicht  nur  wegen  seines  Inhalts, sondern  auch  wegen  der  nur  als  vorbildlich  zu  bezeichnenden  materiellen Qualität  des  Bandes,  der  über  gleich  zwei  Lesebändchen  verfügt.  Daran könnten  sich  viele  Verlage  ein  Beispiel  nehmen.  Für  den  Leser  bietet  das Buch somit mehr als nur intellektuellen Genuss – und Vorfreude auf die weiteren  Bände,  die  in  der  Reihe  Bibliothek  historischer  Denkwürdigkeiten erscheinen sollen.« Till Kinzel