14. April, 2011

Hilflos! Wenn Kinder ihre Eltern pflegen

Von

Frühzeitige Information ist die beste Vorsorge – das zeigt auch die Reportage, die jüngst im SPIEGEL 15/2011 erschien. Katja Thimm berichtet darin über ihren Vater, der von Jahr zu Jahr immer mehr zu einem Pflegefall wurde und seine Tochter vor eine fast unlösbare Aufgabe stellte: den Vater davon zu überzeugen, dass er ein Pflegefall ist.

Hier ein Auszug aus der SPIEGEL-Reportage von Katja Thimm, der die Dramatik von demografischem Wandel und absehbarem Pflegenotstand in Deutschland sinnfällig veranschaulicht:

Demografischer Wandel. Pflegenotstand. Medizinischer Dienst der Krankenversicherungen. Es werden viele Vokabeln aus dem unfassbaren Nachrichtenfluss handgreiflich, wenn der eigene Vater in ein Heim umzieht. Vorangegangen waren Monate der Suche.
Es wäre mir lieber gewesen, er hätte zu denen zählen können, die zu Hause Pflege und Hilfe erhalten. Es sind dies fast so viele wie in Hamburg wohnen, 1,8 Millionen. Es war nicht möglich. So lebt er in einer Einrichtung, und Altenpfleger, Küche, Putzhilfen, Wäschefrauen und Sozialpädagogen teilen im Schichtdienst seinen Alltag. Sie helfen den Bewohnern auf die Toilettenbrille, bewegen sie mit einer elektrischen Hebehilfe vom Bett in den Rollstuhl, versehen Kleidung mit Namensschildern, leeren Mülleimer, assistieren beim Essen oder spielen mit den Alten Mensch ärgere Dich nicht. Es leben mehr Menschen in Deutschland in einer solchen Einrichtung als in Frankfurt am Main, 720 000.

Als es immer schwieriger wurde, allein in seiner Wohnung, gehörte mein Vater zu einer Gruppe, so zahlreich wie die Einwohner von Stuttgart. Die meisten Menschen gehören irgendwann einmal zu Stuttgart. Sie brauchen noch keine Pflege, doch Unterstützung, denn sie scheitern an Bankgeschäften, Kleiderkäufen und der durchgebrannten Glühbirne ganz oben in der Deckenlampe. Noch in den ersten zwei Jahren im Altersheim zählte mein Vater zu Stuttgart.
Nie zuvor wurden in diesem Land so viele Menschen so alt. Frauen, die in diesen Tagen ihren achtzigsten Geburtstag feiern, begehen aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch den neunundachtzigsten, Männer den siebenundachtzigsten. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich in vierzig Jahren auf 4,4 Millionen verdoppelt haben, die der Demenzkranken auf 2,5 Millionen. Einmal Sachsen, einmal Brandenburg. So lauten die Prognosen.
Nie zuvor wurden in diesem Land so wenige Menschen geboren. Sollte ich achtzig Jahre alt werden, so alt, wie mein Vater inzwischen ist, werden mir in den Statistiken nur noch fünf Deutsche gegenüberstehen, die jünger sein werden als ich.
Das Geld aus der Pflegeversicherung reicht, ohne eine Beitragserhöhung, noch drei Jahre. Es deckt schon jetzt nicht alle Kosten; mancher zahlt allein für die Pflege, die er benötigt, im Monat siebenhundert Euro selbst. Und jene, die das nicht können, weil dann nichts bliebe für Miete und Mahlzeiten, benötigen “Hilfe zur Pfleg”, eine Art Hartz IV für Alte. Es sind bereits so viele, wie in Freiburg wohnen, 220 000.
Der hundertfach verplätscherte Appell aus Talkshows und Sonntagsreden dröhnt, wenn plötzlich der eigene Vater, die eigene Mutter nicht mehr können: Der demografische Wandel ist die dringlichste Aufgabe unserer Gesellschaft! Er ist ein Gradmesser für ihre Menschlichkeit! Mit einem Mal redet man genauso.
Und blickt um sich und sucht Unterstützung …”
 (SPIEGEL 15/2011, Seite 133)

Frühzeitige Information ist die beste Vorsorge
Hilfe und Unterstützung – wo finde ich die? Das genau ist die Frage. Ist oft schon die Tatsache einer plötzlich eintretenden Pflegebedürftigkeit eine Katastrophe für die Betroffenen und ihre Angehörigen, verschärft sich die Situation zumeist noch dramatisch durch die Ratlosigkeit, in die sie aufgrund mangelnder Information stürzen. Dass dies eines der Hauptprobleme im Falle von Pflegebedürftigkeit ist, zeigt die Praxis in der Pflegeberatung: Die meisten der heute 2,5 Millionen Pflegebedürftigen und deren Angehörige, so die Erfahrung, haben sich nicht oder nur unzureichend auf diese Situation vorbereitet.

Dabei ist es heute so einfach, sich umfassend und in leicht verständlicher Weise darüber zu informieren.

Die derzeit wohl ausführlichste und am leichtesten verständliche Information findet man in dem Ratgeber Pflegebedürftig von Uwe Wolfs. In den Kapiteln dieses Buchs wird anhand kleiner Fallbeispiele und darauf aufbauender Inhalte dargestellt, welche Möglichkeiten sich bei Menschen ergeben können, die aufgrund von akuten oder chronischen Erkrankungen Einschränkungen in der Mobilitöt erleben oder gar pflegebedürftig werden. Die Inhalte bieten zahlreiche Informationen in einer leicht verständlichen Sprache und einen praktischen Zugang zu unterschiedlichen Wohnformen, den Leistungen der Pflegeversicherung und anderer Kostenträger, den Angeboten professioneller Pflegeeinrichtungen sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen. Am jeweiligen Kapitelschluss befinden sich Hilfsmittel wie Checklisten und Anmerkungen zu Anlagen mit vertiefenden Inhalten.

Michael Haas, Fachseminarleiter am Ev. Fachseminar für Altenpflege der Diakoniestiftung Salem in Minden, schreibt über das Buch: ”Vom Aufbau und der Gestaltung her gefällt mir das Buch sehr gut – ich halte es als Grundlektüre für Betroffene und Angehörige für sehr geeignet, da es alle relevanten Themen rund um das Thema Pflegebedürftigkeit thematisiert – Gratulation!”

  • mehr…

Hinterlasse eine Antwort