14. Mai, 2016

Ein kaiserliches Buch zum 700. Geburtstag Kaiser Karls IV. – des Europäers auf dem Kaiserthron

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Karl IV. in der Goldenen BulleKarl IV. (1316–1378), die bedeutendste Herrschergestalt des deutschen Spätmittelalters, hat in seiner mehr als 30-jährigen Regierungszeit – auch durch seine berühmte »Goldene Bulle« – die Verfassung und Politik des ersten deutschen Reiches bis zu dessen Ende 1806 entscheidend bestimmt und die europäische Kultur auf eine neue Höhe geführt.

Rechtzeitig zum 700. Geburtstag Karls IV. am 14. Mai 2016 erscheint nun seine Autobiographie. In ihr beschreibt er seine prägenden Jahre bis 1350 und sein politisches Programm, mit dem er sich als ein großer, europäisch denkender und gestaltender Herrscher erweist, der zugleich über eine hohe Spiritualität verfügte. Seine Verdienste wurden aufgrund nationaler Vorurteile lange verkannt und erstmals anlässlich des Gedenkjahres zu seinem 600. Todestag 1978 in großen Ausstellungen und zahlreichen Büchern umfassend gewürdigt.

Die Autobiographie Karls IV.Auch in diesem Jahr werden anlässlich seines 700. Geburtstages einige große Ausstellungen in Prag, Nürnberg, Potsdam und in anderen Städten an diesen großen Kaiser erinnern. Von ihm sind nur wenige Quellen überliefert, in denen er über sich und die Motive seines Handelns Auskunft gibt. Umso größere Aufmerksamkeit verdient deshalb ein Zeugnis, das nach Art und Inhalt einzigartig vor uns steht: seine Autobiographie. Sie ist die erste Selbstdarstellung eines mittelalterlichen deutschen Herrschers.

Sie wird nun, begleitet von einer ausführlichen Einleitung und Kommentierung, in einer zweisprachigen Ausgabe mit zahlreichen farbigen Abbildungen aus einigen der frühen Handschriften vorgelegt.

Mehr über unser Verlagsprogramm finden Sie in unserem neuen Verlagsverzeichnis hier.

Plakat_Karl IV

28. Februar, 2016

Wir gratulieren: Europäischer Übersetzerpreis 2016 für unseren Übersetzer Andreas Ecke

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01_Manifest_Umschlag_VS_Button_300Nach einem 3. Platz im Wettbewerb »Das historische Buch des Jahres 2014« für unseren Band Das Manifest der Toleranz haben wir erneut Grund zu feiern: Andreas Ecke, der Übersetzer unseres Buches »Die Freiheit des Denkens: Sebastian Castellio – Wegbereiter der Toleranz« (erschienen in der BIBLIOTHEK HISTORISCHER DENKWÜRDIGKEITEN)  erhält den Hauptpreis des Europäischen Übersetzerpreises Offenburg 2016. Er ist mit 15.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen.

In der Pressemitteilung heißt es:

»›Ecke ist ein sehr einfühlsamer und vielseitiger Übersetzer, der, wie der Organist sagen würde, über sehr verschiedene Register verfügt‹, sagte Juror und Laudator Christoph Buchwald in der Mitteilung der Stadt Offenburg. Neben den in Deutschland bekannten niederländischen Autoren wie Cees Nooteboom, Otto de Kat und Geert Mak übersetze Andreas Ecke (geboren 1957 in Wuppertal) auch Erzählungen, Lyrik, Theatertexte und Sachbücher. Im Jahr 2015 erschien die viel beachtete deutsche Umschlag_Veen_Freiheit des Denkens_VS_300Übersetzung der Castellio-Biographie unter dem Titel Die Freiheit des Denkens: Sebastian Castellio − Wegbereiter der Toleranz der niederländischen Kirchenhistorikerin Mirjam van Veen. Andreas Ecke erhielt im Jahr 2010 für die Übersetzung von Gerbrand Bakkers Roman Oben ist es still den Else-Otten-Preis des Nederlands Letterenfonds.

Für den Europäischen Übersetzerpreis Offenburg 2016 entschied sich die Findungskommission, die Literatursprache Niederländisch in den Mittelpunkt zu stellen (Flandern & die Niederlande sind auch Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016). Die Kommission benannte Christoph Buchwald, renommierter Herausgeber, Verleger und selbst Übersetzer aus dem Niederländischen, als alleinigen Juror und Laudator des Hauptpreisträgers.«

Andreas Ecke war ein Glücksfall für unseren Verlag. Die Übersetzung aus dem Niederländischen der Castellio-Biographie von Mirjam van Veen gestaltete sich sehr aufwendig und erforderte viel Mühe bei der Einarbeitung in die Zeit der Reformation und in die Werke Sebastian Castellios, des lange Zeit in Vergessenheit geratenen und von der Reformation verfolgten Basler Humanisten (1515–1563). Seine einfühlsame und sprachlich souveräne Übersetzung der Biographie trug wesentlich dazu bei, Castellio und seine Werke (siehe Bildfries unten) in Deutschland bekannt zu machen.

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17. November, 2015

500 Jahre Sebastian Castellio – wir gratulieren

Von

500 Jahre Sebastian Castellio:
Jahrhundertelang geschmäht und verachtet — heute bewundert und geachtet

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Die Werke von und über Castellio in der Bibliothek historischer Denkwürdigkeiten

Erst wurde er zu Lebzeiten von Calvin und seinen Anhängern zum Schweigen gebracht, danach über 400 Jahre lang von «rechtgläubigen» Christen als gefährlicher Wirrkopf geschmäht und totgeschwiegen. Als dann mit Stefan Zweig einer seiner wortgewaltigsten Anwälte in seinem Buch «Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt» die Stimme für ihn erhob, wurde auch dieser von den Nationalsozialisten mundtot gemacht und dessen Bücher verbrannt. Er selbst musste aus Deutschland fliehen. Danach dauerte es noch einmal 77 Jahre, bis Castellio — zumindest in Deutschland — endlich selbst zu Wort kommen durfte.

Rechtzeitig zu seinem 500. Geburtsjahr (Tag und Monat sind nicht bekannt) liegen nun endlich seine wichtigsten Toleranzschriften in der «Bibliothek historischer Denkwürdigkeiten» vor — gefeiert von denen, die in ihm heute neben Erasmus von Rotterdam einen der bedeutendsten Humanisten seiner Zeit und als den wichtigsten Wegbereiter für die Freiheit des Glaubens und Gewissens sehen. So geschehen in der ersten Feier.

Die Rückkehr des «Verlorenen Sohnes»

Gefeiert von den Nachfolgern seiner ehemaligen Todfeinde in Genf als einer der bedeutendsten Humanisten seiner Zeit wurde er zunächst in Vandœuvres bei Genf (26.—31. Mai 2015), wo Castellio von 1542 bis 1545 in der dortigen Dorfkirche als Prediger wirkte, bevor er sich vollends mit Calvin überwarf. Mitorganisiert wurde dieses fünftägige Fest vom heutigen Nachfolger auf dem «Stuhl Calvins», Pfarrer Vincent Schmid, der Castellio heute für wichtiger hält denn je nach dem Motto: Wenn die Menschen uns heute wegen Calvin verlassen, bringt Castellio sie uns wieder zurück.

Castellio_Vandoeuvres-Kirche_10cmCastellio-Büste_1_5cm

Um dies zu unterstreichen, hatte man für Castellio sogar eigens eine Büste anfertigen lassen. Und: War es Zufall oder Absicht? Derselbe Künstler, François Bonnot, der auch eine Büste Calvins geschaffen hatte, hatte auch diese Büste gestaltet — die erste Büste Castellios weltweit. Damit hatte er gleichsam beide wieder durch seine Hand vereint, und das ausgerechnet in Genf.Plakat_Castellio_Bücherfries_30cm

Kaum zwei Wochen später (am 13. Juni) und rund 70 Kilometer westlich von Genf entfernt wurde ein weiteres Fest gefeiert:

Das Familienfest

In St. Martin du Fresne, einem 1027-Seelen-Dorf in der Landschaft Bugey im Departement Ain, inmitten eines langgestreckten fruchtbaren Tals, hatte sich die Dorfgemeinschaft zusammengetan, darunter die «Les Amis de la Tour», um ihrem nachmals berühmten Sohn (den diese schon 150 Jahre früher als einen solchen erkannt hatte) ein großes Fest auszurichten.

Castellio_St.Martin_3_10cm  Castellio_St.Martin_4_7cm
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Mit Tänzen und Kostümen aus der damaligen Zeit, mit historischen Vorträgen im Rathaussaal, mit einer kleinen, aber feinen Ausstellung zur Geschichte Castellios und der Reformation, mit Kindertexten zum Thema Toleranz und mit einem großen Bankett in einer alten Scheune. Zum Schluss war noch ein grandioses Spectacle Son et lumière angesagt über «Sébastien l’enfant de St. Martin»:

Castellio_St.Martin_7_10cmCastellio_St.Martin_5_10cm

Zusammen mit den Gästen aus Nah und Fern strömte das ganze Dorf auf den Dorfplatz, um das Leben Castellios in zeitgenössischen Kostümen nachzuerleben. Der erste Teil bis zur Pause war den ersten 19 Jahren des Bauernjungen Sébastien bis zu dessen Abreise nach Lyon gewidmet — in schaurig schönen Szenen aus dem Alltag auf dem Land. Der zweite Teil sollte seiner Zeit in Lyon, Straßburg, Genf und Basel gewidmet sein. Doch als würde Calvin noch einmal seine Blitze gegen Castellio schleudern, entlud sich von allen Seiten her mit Blitzen und Donnerschlägen und mit Sturmgewalt ein infernalisches Gewitter über dem Dorf, mit Regengüssen, die bis auf die gute Laune der Zuschauer alles wegspülten : die Kulissen auf dem Dorfplatz und die Menschen auf den Tribünen und in den Gassen, die Zuflucht unter den Ausstellungszelten fanden.Plakat_Castellio_Bücherfries_30cm

Genau drei Monate später (vom 13. bis 16. September) gab es wieder ein großes Fest, diesmal ganz anderer Art:

Das Gelehrtenfest

Diesmal waren es die akademischen Zunftkollegen Castellios, die auf Einladung der MonteVerita_5Castellio-Forscherin Barbara Mahlmann-Bauer (Universität Bern) zu einer internationalen Castellio-Tagung auf den Monte Verità in Ascona gekommen sind. In sage und schreibe 25 Vorträgen und anschließenden Diskussionen wurden die Zuhörer über das Wirken und die Bedeutung von Castellio und ein neues Verständnis seines Schaffens belehrt. Es waren intensive Tage mit anregenden Gesprächen, die deutlich machten, dass sich mit der Wiederentdeckung Castellios ein weites Feld für die künftige Forschung eröffnet.

Bei aller Bemühung um eine geistesgeschichtliche Verortung Castellios in seiner Zeit geriet jedoch leider nicht nur die Persönlichkeit Castellios und sein Kampf um eine Befreiung der Reformation aus ihren institutionellen und politischen Zwängen aus dem Blick, sondern auch die Frage, welche Bedeutung ihm heute zukommt. Ersteres vermittelt jedoch sehr eindrücklich und anschaulich die neue Castellio-Biographie von Mirjam van Veen, in der auch der einzige autobiographische, erstmals ins Deutsche übersetzte und sehr berührende Text von Castellio abgedruckt ist, «Die Verteidigung gegen den Autor des Buches mit dem Titel: Die Verleumdungen eines Wirrkopfs» (S.235—289). Welche Bedeutung Castellio heute zugemessen wird, wird in den immer zahlreicher werdenden Rezensionen und Medienbeiträgen über Castellio deutlich, die vor allem seine verblüffende Aktualität und Modernität betonen.

Deutlich wurde Letzteres vor allem beim letzten Fest zu Ehren Castellios am 25. Oktober in Zürich, bei dem sich für mich der Kreis der Feste auf die denkbar würdigste Weise schloss:Plakat_Castellio_Bücherfries_30cm

Das Kirchengemeindefest

Der Pfarrer an der ersten Reformationskirche in Zürich, St. Peter, Ueli Greminger, hatte zu einem Gedenkgottesdienst für Castellio geladen — und viele Menschen kamen. Hatte es die Tage zuvor noch geregnet, verwandelte der Himmel just diesen Sonntag in einen strahlenden Sonnentag. Die Bäume auf der Peterhofstatt erstrahlten in leuchtenden Farben und breiteten ihre Blätter zu einem goldenen Teppich vor der Kirchentür aus.

Castellio_St.Peter_10cmCastellio_St.Peter bei Nacht_neu_10cm

Kaum waren die Zeiger auf dem größten Ziffernblatt Europas auf 10 Uhr vorgerückt und die letzten Glockenschläge verhallt, begann ein Gottesdienst, in dem man mehr als in allen vorangegangenen Festen den Geist Castellios zu spüren glaubte. Erfüllt von nachdenklicher und dabei fröhlicher Frömmigkeit wurde eines Mannes gedacht, der sich selbst stets aus reinstem Herzen als ein Christusjünger verstand, als einer, für den der Glaube unabdingbar mit der Freiheit eines Christenmenschen verbunden ist, zu der ihn Christus befreit hat (Gal. 5,1). Zu diesem Glauben in Freiheit gehörte für ihn notwendig der Zweifel als ein Instrument, mit dem man das Wahre vom Falschen, das Gute von dem Bösen unterscheiden kann. Er setzte seine ganze Hoffnung auf eine Reformation im Sinne einer Wiederherstellung der reinen Lehre, wie sie das Evangelium und die Apostel gelehrt haben, jenseits von Gewalt und spitzfindischer Selbstgerechtigkeit. Was er aber unter Calvin erlebt hatte, entwickelte sich zu einer «Tyrannei der Tugend» (Volker Reinhardt), zu einem Gottesstaat, in dem Barmherzigkeit gegenüber Andersdenkenden als eine teuflische und keineswegs christliche Tugend und «Milde als äußerste Grausamkeit» (Théodore de Bèze) galt.

An diesem lichterfüllten Sonntag also gedachte man endlich Castellios als dem im eigentlichen Sinne Evangelischen, für den es wichtiger war, das Evangelium zu leben als es mit Spitzfindigkeiten in seine Einzelteile zu zerlegen.

Endlich kam Castellio selbst zu Wort, mit Texten, die Ueli Greminger aus den Schriften Castellios frei gestaltet hat, beginnend mit Maja Ingold, Schweizer Nationalrätin, die im Anschluss an diese Texte einige höchst lesenswerte Gedanken zu Castellio aus politischer Sicht vortrug.

«Was ein Ketzer ist»
gelesen von der Schweizer Nationalrätin Maja Ingold:

«Einen Ketzer kann es gar nicht geben. Denn ein Ketzer ist jeder, der anders denkt, als wir denken. Es ist der Glaubenseifer selbst, der den Ketzer erzeugt. Aus lauter Eifer für Christus werden die Menschen blutdurstig. Sie verfolgen die Andersglaubenden vermeintlich dem zuliebe, der sein eigenes Blut vergossen hat, damit nicht das Blut anderer vergossen werde. Was für eine Perversion!
Die Medizin gegen den Glaubenseifer und das Verketzern derjenigen, die anderer Meinung sind, ist die Wahrheit. Je besser ein Mensch die Wahrheit erkennt, desto weniger neigt er dazu, den anderen zu verurteilen. Der Maßstab für die Wahrheit ist die Nachfolge Christi. Sie ist das Herz der christlichen Religion: Jesus nachahmen, sich so verhalten, wie er sich verhalten hat. Die Wahrheit leben und sie so sagen, wie man sie denkt, kann niemals ein Verbrechen sein.»

«Über das Gleichnis vom Unkraut»
gelesen vom Kirchenratspräsident des Kantons Zürich,
Pfarrer Michel Müller:

«Jesus ist der Retter, der gekommen ist zu retten, nicht zu verderben. Seine Lehre ist, Kranke mit Weisheit zu heilen, nicht andere zu töten. Sein Weg ist, das Kreuz zu tragen, nicht andere zu kreuzigen. Vernunft und die rechte Weise, seinen Willen zu tun, bedeutet, wie das Gleichnis sagt, das Kraut und das Unkraut bis zur Ernte stehen zu lassen, nicht herauszureißen. Der Ruhm seines Namens ist, sich seine Milde und seine Gebote zu eigen zu machen. Die Lehre der Frömmigkeit heißt, die Feinde zu lieben, Gutes zu tun denen, die uns Übles tun, zu hungern und zu dürsten nach der Gerechtigkeit.»

«Was ist Glaube«
gelesen von Pfarrer Ueli Greminger:

«Was meinen eignen Glauben betrifft, so glaube ich an den einen Gott, den allmächtigen Vater und an Jesus Christus und an den heiligen Geist.
In diesem Glauben stehe ich und bleibe ich, so Gott will, bis zu meinem Ende. Und ich bin davon überzeugt, dass diejenigen, die wahrhaft an diesem einfachen und von den Aposteln selbst uns überlieferten Glauben festhalten, auf dem Weg des Heils sind — auch wenn sie jene unerklärbaren Spitzfindigkeiten, die nach dem Zeitalter der apostolischen Einfachheit aus allzu großer Wissbegier in der Kirche eingeführt wurden, weder bekennen noch glauben.
Wenn es jedoch Leute gibt, die so scharfsinnig sind, dass sie all das begreifen, was ich und meinesgleichen nicht begreifen — nun gut, ich beneide sie nicht darum. Aber solche Spitzfindigkeit von allen zu verlangen, das hieße, so jedenfalls scheint es mir, den Weg zum Heil dem größten Teil der Menschheit zu verschließen.»

In seiner Predigt über das Gleichnis des verlorenen Sohnes (Lukas 15,24—30) übte Ueli Greminger mit einem Zitat von Jean-Jacques Rousseau («Die heutigen Reformierten kennen und lieben ihre Religion nicht») deutliche Kritik an an dem reformierten Religionsverständnis und mahnte eine dringende Rückbesinnung auf Castellio an. Am Ende des Gedenkgottesdienstes für Castelllio, der wohl noch lange in Zürich und darüber hinaus nachhallen wird, konnte man fast den Eindruck gewinnen, als sei man sich darin einig, mit Castellio noch einmal eine Renaissance der unvollendet gebliebenen Reformation wagen zu wollen.
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Abschließend sei noch erwähnt, dass es auch in Konstanz (19. Mai: Vortrag in der VHS von Wolfgang Stammler), in Stuttgart (11. und 28. Oktober: Abendgottesdienst und Vortrag von Prof. Tilmann Schroeder) und in Worms (31. Oktober: Vortrag von Dr. Andreas Rössler) noch weitere Veranstaltungen gab.
Und zu guter Letzt sei an dieser Stelle auch noch unserem Übersetzer der Castellio-Biographie von Prof. Mirjam van Veen, Amsterdam, gratuliert: Andreas Ecke, der im April nächsten Jahres den mit EUR 15.000 dotierten Europäischen Übersetzerpreis für seine großartigen übersetzerischen Leistungen aus dem Niederländischen erhalten wird.

13. Oktober, 2014

3. Platz beim Wettbewerb »Das historische Buch des Jahres 2014«

Von

Wenn einem etwas Gutes widerfährt …

01_Manifest_Umschlag_VS_Button_300Button_Buch des Jahres 2014_frei_gedreht… das ist dann eine Nachricht wert. So auch jetzt: Beim Wettbewerb »Das historische Buch des Jahres«, organisiert von der Zeitschrift DAMALS, hat das MANIFEST DER TOLERANZ den dritten Platz in der Kategorie »Denkanstöße« belegt. Nach zahlreichen Rezensionen und Berichten in Presse und Rundfunk hat nun auch eine hochkarätige Jury aus internationalen Historikern  und Publizisten den ersten Band in der »Bibliothek historischer Denkwürdigkeiten« gewürdigt.

Das erfüllt uns mit Freude und Dankbarkeit − zumal für Sebastian Castellio, über den Stefan Zweig 1936 schrieb: »Welch eine Dankesschuld ist an diesem Vergessenen noch zu begleichen! Welch ein ungeheures Unrecht hier noch zu sühnen!«

Nun, die Dankesschuld wird beglichen und das Unrecht gesühnt — auch und erst recht im kommenden Jahr, 2015, wenn man Castellios 500. Geburtstag feiert. Wann genau er geboren ist, weiß man nicht, sicher ist jedoch, dass er 1515 in dem savoyischen Dorf Saint-Martin-du-Fresne geboren wurde, in der Landschaft Bugey, die seit den Waldenserverfolgungen des 13. Jahrhunderts für ihre Tradition des Widerstands bekannt war: Wer aus Glaubens- und Gewissensgründen dorthin floh, durfte sicher sein, dass ihm hier Schutz und Arbeit gewährt würden. Das hat auch Castellio geprägt.

Aus Anlass seines 500. Geburtstages werden nach dem MANIFEST DER TOLERANZ und dem FALL SERVET im kommenden Jahr noch drei weitere Bände von und über Castellio erscheinen:

 

 

 

Mehr über diese Bände erfahren Sie in den nächsten Newsletterausgaben.

Ich wünsche eine anregende Lektüre und verbleibe bis auf bald
Ihr Wolfgang F. Stammler

PS: Wer Interesse hat, das aktuelle ZEIT Geschichte Magazin über »Die Kirche und ihre Ketzer« kennenzulernen, findet darin auf den Seiten 84–86 auch einen Beitrag von mir zum Thema »Aufruhr in Calvins Gottesstaat«.

5. Juni, 2014

Gesühntes Unrecht – der (wieder)entdeckte Castellio

Von
Stefan Zweig

Stefan Zweig

»Manchen ist es verhängt, im Schatten zu leben, im Dunkel zu sterben – Nachfahren haben Sebastian Castellios Ruhm geerntet, und noch heute ist in jedem Schulbuch der Irrtum zu lesen, Hume und Locke seien die ersten gewesen, welche die Idee der Toleranz in Europa verkündet, als wäre Castellios Ketzerschrift nie geschrieben und nie gedruckt worden. Vergessen ist seine moralische Großtat, der Kampf um Servet, vergessen der Krieg gegen Calvin, vergessen seine Werke – ein unzulängliches Bild in der holländischen Gesamtausgabe, ein paar Manuskripte in Schweizer und holländischen Bibliotheken, ein paar dankbare Worte seiner Schüler, das ist alles, was von einem Manne geblieben ist, den seine Zeitgenossen einhellig nicht nur als einen der gelehrtesten, sondern auch der edelsten Männer seines Jahrhunderts gerühmt. – Welch eine Dankesschuld ist an diesem Vergessenen noch zu begleichen! Welch ein ungeheures Unrecht hier noch zu sühnen!«

Zum Durchblättern

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Heute, knapp 80 Jahre nachdem Stefan Zweig diese Zeilen geschrieben hatte, scheint es, als sei die Zeit gekommen, da man sich nicht nur in unserer Bibliothek historischer Denkwürdigkeiten, sondern auch in den Medien seiner erinnert. Innerhalb weniger Monate erschienen zahlreiche Artikel in der Presse, zumeist als Rezensionen seines MANIFEST DER TOLERANZ, darunter in der FAZ, der Neuen Zürcher Zeitung, der Christ & Welt, der Basler Zeitung, in Damals und Spektrum der Wissenschaft und im dem wissenschaftlichen Rezensionsdienst IFB, in denen Castellio ausführlich gewürdigt und das Buch nicht selten »wärmstens« empfohlen wird.

Auffallend sind daneben auch die vielen Beiträge im Hörfunk — im WDR und Deutschlandfunk —, die mit insgesamt 8 Sendungen Castellio und Calvin einem breiten Publikum in Erinnerung rufen. 

Über die Bedeutung Castellios herrscht inzwischen überwiegend Übereinstimmung, und sofern es noch unterschiedliche Bewertungen gibt, wird über diese voraussichtlich im kommenden Jahr, dem Jahr 2015, gestritten werden. In diesem Jahr (ein genaueres Geburtsdatum ist nicht bekannt) jährt sich Sebastian Castellios Geburtstag zum 500. Mal. An vielen Orten — vom hohen Norden Deutschlands bis in die Schweiz und Frankreich, dort in dem savoyischen Dorf Saint-Martin-du-Fresne, wo Castellio geboren wurde — wird dann in zahlreichen Veranstaltungen unterschiedlichster Art seiner gedacht werden. Und desgleichen auch in den Medien.

Auch der Alcorde Verlag wird seinen Teil dazu beitragen und in der Bibliothek historischer Denkwürdigkeiten mit weiteren Übersetzungen von Castellios Werken aufwarten: Mit seinem Contra libellum Calvini unter dem Titel GEGEN CALVIN und seinem erst im 20. Jahrhundert entdeckten heimlichen Hauptwerk De arte dubitandi et confidendi, ignorandi et sciendi unter dem Titel DIE KUNST DES ZWEIFELNS UND GLAUBENS, DES NICHTWISSENS UND WISSENS. Über diese Bücher und deren Erscheinen werden wir Sie jeweils ausführlich informieren.

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